21. Mai 2017

Gelnhausen Extra


Während ich Gelnhausen besuchte, fiel mir diese ziemlich architektonisch verdichtete Stelle auf.
Da steht ein modernes Holzhaus, aber mit der traditionellen Dachform; ein Barockhäuschen und ein höheres Gebäude, das wie ein neoklassizistisches Schulhaus aus Mainsandstein aussieht, mehr oder weniger dicht nebeneinander. Interessant, aber auch ein wenig seltsam :)


Dieses leicht abgewrackt wirkende Haus fand ich dagegen bemerkenswert, weil es tatsächlich lokale Bauformen verwendet, denn den ganzen Tag über sah ich Scheunen und Wirtschaftsgebäude der Gegend eben nicht im typischen Fachwerk, sondern in dieser Holzlatten (oder längliche Holzschindel?) Weise verkleidet. 
Und ich fand zumindest die Idee sehr gut, das einmal für ein Wohnhaus zu verwenden und damit auch diesen traditionellen Stil zu erhalten. 

20. Mai 2017

Gelnhausen

 Der Obermarkt in Gelnhausen


Das ist der zweite Ort, den ich nach Steinau an der Straße, am gleichen Tag mit der RheinMain Card besuchte. In Steinau hatte ich einige Probleme eine Verbindung zu der kleinen Stadt aufzubauen, in Gelnhausen bestand sie sofort.
Ich mochte die bergige Lage mit weitem Blick ins Kinzigtal, ich mochte die Fachwerkgassen, die Stadttore und die vielen Treppengänge zwischen Unter- und Obermarkt.
Ein schöner Ort zum Leben dachte sich schließlich bereits 1170 Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der hier eine seine Kaiserpfalzen errichtete. Ich hatte zwar leider nicht mehr genug Zeit um diese zu besichtigen (oder das Heimatmuseum), aber für einen ausgedehnten Stadtspaziergang reichte es allemal. 

 Untermarkt
 
 Seit 1639 im Familienbesitz zu sein (derselben nehme ich an) ist zumindest beachtlich. 

Natürlich sieht man auch hier die Probleme der modernen Stadtplanung, denn in der Hauptstraße, die zum Untermarkt führten, standen viele Geschäfte leer. Aber ab Untermarkt begann eine nette, verschlafene Fußgängerpassage mit Läden, die häufig auch Café waren, z.B. der Buchladen samt Katze und ein Handarbeitsladen.

 Diesen Second Hand Laden musste ich natürlich besuchen :)

 Ich würde zwar gerne sagen, aber wer kennt schon Barockliteratur - doch leider hat meine Deutschlehrerin einst dafür gesorgt, daß ich in diesem Bereich nicht mit Wissenslücken glänzen kann.

 Es war übrigens auch dieser Phillip Reis, der seiner Erfindung den Namen: ‚Telephon‘ gab.

Am Geburtshaus des Telefonerfinders Phillip Reis schlug ich dann den Weg rechts hinauf zum Obermarkt ein, der wie der Untermarkt auch, fast ausschließlich von Fachwerkhäusern umgeben ist.
Danach ging es für mich noch höher hinauf. Nachdem ich den mittelalterlichen Stadtkern durch das Holztor verlassen hatte, erreichte ich einen schmalen, langgestreckten Park. Von dort hatte man einen guten Blick auf die gesamte, unter einem liegende Stadt; und die Dachterrassen der nächsten Nachbarn ^^ 

 Sie haben es nicht so mit Hunden in Gelnhausen ...


Ich verließ den Park an einem weiteren Turm der ehemaligen Stadtbefestigung und auf Treppen ging es hinunter zur großen Marienkirche.
Diese wurde ab dem 12. Jahrhundert errichtet, mit den üblichen unzähligen Um- und Anbauten durch die Jahrhunderte, und gilt heute als das Wahrzeichen der Stadt. Die ehemalige Klosterkirche überstand die Wirren der Reformation und den Bildersturm relativ unbeschwert, da das Kloster einen Vertrag mit der Stadt geschlossen hatte, ab wann die Kirche evangelisch werden würde. Dadurch konnten Teile der mittelalterlichen Ausstattung erhalten bleiben.


Ich hatte an diesem schönen Tag, aber keine Lust auf Himmels-und Höllendarstellungen und ging nach einem kurzen Rundgang durchs dunkle Kirchenschiff, zurück ins Sonnenlicht :)
Durch weitere Treppen erreichte ich wiederum den Untermarkt und machte mich auf die Suche nach dem Hexenturm. Darin wurden während der Hexenverfolgung 54 Menschen festgehalten und ca. 30 davon wurden auch als Hexen verurteilt. Leider befindet sich der Turm gerade in Rekonstruktion und Baugerüste ergeben kein so tolles Bild. 


Aber man muss sich immer noch etwas offenhalten, für einen nächsten Besuch im schönen Gelnhausen.
An diesem Tag hatte ich jedenfalls genug erlebt und so ging es mit der nächsten Bahn zurück nach Frankfurt, vorbei an all den hessischen Landschaften und Städten, die ich noch nicht gesehen habe: den Mittelgebirgsketten, dem Sumpfgebiet bei Langenselbold mit unzähligen Störchen, der Märchenstadt Hanau - und selbst in Offenbach war ich bisher vielleicht drei Mal und meistens nur auf der Durchfahrt... Also, es gibt noch viel zu tun :)



16. Mai 2017

Steinau an der Straße

 Die empörten sieben Zwerge, nachdem der Prinz ihnen Schneewittchen geklaut hat ^^

Vor kurzem habe ich einmal gelesen, daß es nur an einem selbst liegt, wie man einen Ort wahrnimmt, und wie dieser Ort dann auf einen reagiert. 
Insofern war es also nur mein Problem, daß ich nicht so richtig zu Steinau fand, und nicht etwa die erfrischend seltsame Stadtumgehung, die zuerst in großem Bogen von der Innenstadt weglenkte; oder die absolut märchenhaft - unheimlichen Unmengen an Fliegen, die an diesem Tag überall herumsurrten. 


Das war der erste Ort, den ich mit der RheinMain Card besuchte. Das ist ein neues touristisches Angebot für den gesamten Rhein-Main Verbund (‚rmv‘ einem Großteil von Hessen, rund um Frankfurt). Man bezahlt 22 € pro Person (bzw. 46 € für fünf Leute) und kann damit nicht nur zwei Tage lang auf sämtlichen Strecken und Verkehrsmitteln im rmv Gebiet unterwegs sein, sondern bekommt auch Vergünstigungen in einigen Museen, Thermen usw.
Allerdings war dieses Angebot noch so neu, daß der Schaffner im Zug ersteinmal überzeugt werden musste, daß ich damit wirklich fahren darf - ihm fiel dann ein, daß er doch irgendwann mal davon gehört hatte; im Brüder Grimm Museum in Steinau musste erst der Leiter geholt werden, der mir ein Kinderticket ausstellte und später meinte, er hätte mir 50 Cent zu wenig berechnet - und mit einem Bus probierte ich es dann lieber erst gar nicht aus.
Mittlerweile ist das schon wieder einen Monat her, also vielleicht haben jetzt die meisten mehr Erfahrungen mit dieser Karte gemacht, so daß die Anlaufschwierigkeiten überwunden sind. Ansonsten rechnete sich der Preis jedoch schon auf dieser ersten Strecke und der zweite Tag war dann quasi von oben ^^.


Steinau liegt an der einst bedeutsamen ‚Via Regia‘, die dort die Messestädte Leipzig und Frankfurt miteinander verband. Dadurch passierten jede Menge bekannte Reisende den kleinen Ort; Armeen zogen allerdings ebenfalls in schöner Regelmäßigkeit durch. Am Bekanntesten machte jedoch die Familie Grimm den Ort, denn die Brüder (und eine Schwester) Grimm verbrachten einen Teil ihrer Jugend in Steinau.
Nachdem ich am Bahnhof ankam, führte mich jedenfalls ein ca. 2 km langer, ausgeschilderter Weg, (unter Umgehung der Innenstadt), direkt zum Schloss Steinau. Dieses Schloss wurde einst zur Sicherung der Via Regia erbaut und diente später häufig als Witwensitz der Gräfinnen von Hanau.


Nach einem kurzen Stadtrundgang durch Fachwerkgassen und vorbei an märchenhaften Szenen, wie einem bemaltem Fachwerkhaus; Märchenbrunnen; und Schneewittchen neben einem alten Wassermühlenkanal - erreichte ich dann das 'Brüder Grimm' Museum.
Draußen, direkt neben den Kutschen befand sich auch ein großer freier Bücherschrank und im Vorgarten sah man ein Stück Rekonstruktion der namensgebenden Straße von Steinau - denn direkt neben dem Grimm Haus befindet sich auch das Via Regia Museum (und die Eintrittskarte gilt für beide Museen).


Das Grimm Museum ist eines dieser modernen Museen, die mir bereits in Warschau so häufig begegnet sind, wo man nur noch selten Objekte mit Bildunterschriften studiert, sondern es gibt Flachbildschirme und Tonaufnahmen. Im oberen Geschoss können sich Kinder auch märchenhaft verkleiden und es gibt einen kleine Bühne. Dennoch herrscht im gesamten Museum Fotografierverbot, was nicht ganz nachvollziehbar erscheint.
Als Kind habe ich natürlich auch viele Grimm‘sche Märchen erzählt bekommen und selbst gelesen, von denen ich dachte, daß sie tatsächlich so oder so ähnlich abends vor dem Ofen in den Stuben der Spinnerinnen und Weberinnen erzählt wurden; später dachte ich, daß eh alles nur von Perrault abgeschrieben war. 
Die Wirklichkeit präsentierte sich da etwas komplizierter, denn die Brüder und Sprachforscher Grimm (sie selbst bezeichneten sich nie als ‚Gebrüder‘) hatten zu den meisten Märchen eine Vielzahl an europäischen Quellen, und manche Märchen wurden ihnen auch tatsächlich erzählt. 
Nach dem Besuch im Museum, lief ich zurück zum Bahnhof. Dieses Mal folgte ich einfach der Straße durch die Innenstadt. Mein nächster Stop war dann die Barbarossastadt Gelnhausen

3. Mai 2017

Am Mittelrhein


Wenn man sämtliche Burgen der Gegend erwandern möchte, ist man auf dem Rheinburgenweg bestens aufgehoben, mit dem Fahrrad bietet sich jedoch der steigungsarme Fahrradweg direkt am Rhein entlang an.
Aufgrund des Binger Lochs, darf sich der Rhein auf der Strecke zwischen Bacharach und Bingen etwas wilder präsentieren - während er auf der Rheingauer Seite begradigt wie ein Kanal daher kommt, befinden sich auf der anderen Seite Flußauen und kleine Strände. 
So beeindruckend ich es auch immer finde, wenn man durch die Weinberge des Rheingaus wandert, von der anderen Flusseite sehen die hochaufragenden Wände mit ihren weißen, übergroßen Wein-Regionennamen noch viel gewaltiger aus.
.
Schiff mit Anhänger, und davor die Weiden im Fluss

Man bewundert förmlich das Können der Menschen, die seit Jahrhunderten diese Berge parzelliert und unzählige Trockenmauern aufgetürmt haben, um dem Wein noch mehr Wärme geben zu können.
Und wenn man andere Regionen besucht, freut man sich, wenn man mal eine Burgruine findet, oder Berge oder einen Fluß... aber hier im Herzen der Rheinromantik sorgen dramatisch hochaufragende Felsen, der große Fluß und Dutzende Burgruinen für einen wahren Rausch - danach findet man ganz normale Orte für einige Zeit langweilig.
.
Ruine Fürstenberg
.
Burg Reichenstein
Burg Rheinstein
.
Ruine Ehrenfels

Ich fuhr jedenfalls nach meinem Besuch in Bacharach, per Fahrrad mit Blick auf Lorch; u.a. vorbei an der Burg Hohneck bei Niederheimbach; Burg Sooneck, neben einem Kieswerk - bis Trechtingshausen, wo ich vom Radweg in die engen Straßen der Stadt abbog.
.
Letzlich entschloß ich mich aber gegen eine Besichtigung sowohl der Burg Reichenstein, als auch Rheinstein (ich wollte keine Berge mehr hochlaufen), und fuhr nunmehr wieder direkt am Rhein weiter, bis ich den Bingener Mäuseturm auf seiner Insel sah. Kurz darauf erreichte ich einen Park neben dem Zufluss der Nahe (und dem Bahnhof).
Ich überlegte noch, ob ich mit der Fähre bis Rüdesheim übersetzen soll, entschied mich aber dagegen - es reichte für den Tag, und so ging mit der Bahn nur noch zurück nach Frankfurt.


25. April 2017

Bacharach

Stadtaussicht vom 'Victor Hugo' Fenster
.
Die Weinberge über der Stadt

Obwohl ich im Blog bisher kaum etwas darüber geschrieben habe, fahren wir regelmäßig nach Rüdesheim in den Rheingau. Das ist der Ort, den wir unseren Gästen zeigen (nachdem sie genug von den Frankfurter Hochhäusern haben) - und so sind wir schon regelmäßig die Gondel über die Weinberge hinweg, zum Niederwalddenkmal hinaufgefahren... ein wenig zu regelmäßig.
Deswegen wollte ich an diesem schönen Frühlingstag einmal auf die andere Seite des Rheins und suchte mir das kleine Städtchen Bacharach aus. Mein Fahrrad nahm ich auch mit der Bahn mit, damit konnte ich nach der Stadtbesichtigung am Rhein entlang zurück bis zum Bingener Bahnhof fahren.
.
Bacharach lag einst am nächstgrößeren Hafen hinter dem Binger Loch, so daß alle Weinfässer, die auf dem Weg nach Köln die Engstelle passieren mussten, in Bacharach auf größere Schiffe umgeladen wurden, einen Bacharach Stempel bekamen und Zollgeld landete natürlich auch in den Stadtkassen.
Und obwohl sich Bacchus als Namensgeber einer Weinstadt anböte, stammt der Name in diesem Fall vom keltischen Baccaracus.
 .

Das Fahrrad schloß ich gleich am Bahnhof von Bacharach an, denn nach wenigen Schritten gingen schon die ersten Treppen hinauf zum Hutturm. 


Danach folgte ich dem Stadtmauer-Rundweg vorbei an Türmen und Aussichtspunkten, bis zur Burg Stahleck.
 .

Dort befindet sich heutzutage eine Jugendherberge und ein kleines Café, in dem ich auf der Terrasse sitzend auf den Rhein hinunter schauen konnte (bei Tee und Cookie). 

Ständiger Burgbewohner
 .

Danach folgte ich einem Klettersteig bis zum Liebesturm und dann hinab in den Malerwinkel. 
Dabei bemerkte ich, daß ich auf diesem Weg die Ruine der Wernerkapelle vergessen hatte und versuchte aus der Stadt erneut hinauf zu steigen, doch der Hauptweg zur malerischen Ruine war wegen Bauarbeiten geschlossen worden (insofern weiß ich nicht, ob ich die Kapelle an diesem Tag überhaupt hätte erreichen können.)


Der Name der Wernerkapelle ist umstritten, denn sie wurde nach einem sog. Volksheiligen benannt: der 16-jährige Werner wurde im Jahr 1287 tot im Rhein gefunden - angeblich von Juden geschächtet. Das führte u.a. zu dieser Pilgerkapelle, und diente jahrhundertelang zur Begründung der blutigen Verfolgung der Juden am Mittelrhein.
Überraschenderweise hat die katholische Kirche in diesem Fall aber Rückgrat bewiesen, den Wernerkult bekämpft und sämtliche Bestrebungen der örtlichen Pfarrer, ihn als echten Heiligen anzuerkennen, waren erfolglos.
Heutzutage wurden die meisten Wernerkapellen der Gegend umbenannt - ich finde diese Art der Geschichts-Schönmalerei häufig sehr kritisch. Insofern bin ich froh, daß man in Bacharach einen anderen Weg gegangen ist, der alte Name blieb und es wird erklärt, warum dieser so problematisch ist.

'Trink den goldnen Wein zu Bacharach am Rhein'

Danach sah ich mir die fachwerkbesetzte Innenstadt an, in der sich Pensionen und Weingaststätten abwechseln, es gab sogar Riesling-Eis, und freute mich immer wieder an den Stadtaussichten... die vielen Stadttore zum Rhein, die hochaufragenden Weinberge und die über allem thronende Burg. 
Und schon hatte ich den Bahnhof wieder erreicht und es ging weiter mit dem Fahrrad, immer am Rhein entlang. 

LinkWithin

Related Posts with Thumbnails